Jutta Rosenkranz – „Mascha Kaléko“

Lesung zum 110. Geburtstag von Mascha Kaléko
am Mittwoch, den 7. Juni 2017 um 20 Uhr 

Eintritt: 5,00 € (erm. 4,00 €)

„Schön war die Fremde, doch Ersatz / Mein Heimweh hieß Savignyplatz…“

Jutta Rosenkranz liest aus ihrer Biographie über Mascha Kaléko und stellt die vierbändige Gesamtausgabe vor

„Mein schönstes Gedicht? Ich schrieb es nicht. Aus tiefsten Tiefen stieg es. Ich schwieg es.“

Nachlese

Schön, dass die Lesung mit Jutta Rosenkranz und unseren Gästen direkt am 110. Geburtstag von Mascha Kaléko stattfand. Die Autorin stellte auf berührende und eindringliche Weise die Dichterin vor. Wir hörten ihre Vita, viele Gedichte und Einspielungen, vorgetragen von der Lyrikerin selbst. Die Zeit reichte leider nicht aus, um auf die vielen interessanten Details einzugehen, die Jutta Rosenkranz in ihrer vierjährigen Recherche zu Mascha Kalékos Werkausgabe in Archiven und vielen persönlichen Begegnungen mit Zeitzeugen und Nachkommen mit viel Liebe und Ausdauer erforschte. Dies alles führte zu der umfangreichen, schön gestalteten mit Fotos ergänzten vierbändigen Werkausgabe. Sie enthält alle Romane, Gedichte, Briefe, Tagebücher und 1.000 Seiten Kommentar der Autorin. In den kleinen vorgetragenen Kostproben konnte man die tiefe Empathie der Autorin zu Mascha Kaléko spüren.

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Mascha Kaléko wurde 1907 als Tochter jüdischer Eltern in Galizien geboren und wuchs in Berlin auf. Sie wurde um 1930 in Berlin mit heiter-melancholischen Großstadt-Gedichten bekannt und verkehrte im berühmten »Romanischen Café«. 1933 erschien der erste Gedichtband „Das lyrische Stenogrammheft“, 1935 folgte der zweite. Doch 1935 erhielt Mascha Kaléko Publikationsverbot. Die Dichterin musste 1938 mit Mann und Sohn vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fliehen und ging nach New York. Ihre Emigrations-Gedichte publizierte sie 1945 in dem Band „Verse für Zeitgenossen“. 1959 zog sie mit ihrem Mann nach Israel. Nach dem Krieg fand sie mit ihren so spielerisch eleganten wie spöttisch scharfsinnigen Texten wieder ein großes Publikum. Die erfolgreichste deutschsprachige Lyrikerin des 20. Jahrhunderts starb 1975 in Zürich. Man hat sie mit Heine, Tucholsky, Ringelnatz und Kästner verglichen, doch Mascha Kaléko hat einen eigenen Stil entwickelt und war die einzige weibliche Stimme unter den Lyrikern der Neuen Sachlichkeit.

© Rainer Jordan

Jutta Rosenkranz, geboren in Berlin, studierte Germanistik und Romanistik und lebt als freie Autorin und Journalistin in Berlin. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, zahlreiche Autoren-Porträts und Features für den Hörfunk geschrieben und ist Herausgeberin mehrerer Lyrik-Anthologien. Sie ist Herausgeberin der Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Mascha Kaléko und Autorin der ersten umfassenden Biografie über die Dichterin.