Ernst Ottwalt – Denn sie wissen was sie tun

 

 

Lesung zum 75. Todestag (24.08.1943)
des Freikorps-Kämpfers, Kommunisten, Nazi-Gegners und Opfers der Stalinistischen Säuberungen

Am 23.08.2018 um 19:30

Es moderieren: Carsten Pfeiffer und Thomas Böhm
Es liest: Schauspieler Frederic Böhle 

Der Eintritt ist frei! Sie sind herzlich eingeladen!

 

Aus Anlass der Neuausgabe seines deutschen Justizromans „Denn sie wissen was sie tun“ in der Büchergilde Gutenberg und im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis und des 75 Todestages von Ernst Ottwalt stellen der Herausgeber Carsten Pfeiffer und der Moderator Thomas Böhm den Roman, die Vita Ernst Ottwalts und weitere Titel aus dem Verlag Das Kulturelle Gedächtnis vor. Der Schauspieler Frederic Böhle liest Auszüge aus dem (sehr deutschen) Justizroman, der an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Ernst Ottwalts Biographie ist von einem radikalen Seitenwechsel geprägt. Als junger Erwachsener, Freikorps-Kämpfer und Gegner der Weimarer Republik, wurde er in den zwanziger Jahren Kommunist und war eng befreundet mit Bertolt Brecht, mit dem er das Drehbuch zum Film „Kuhle Wampe“ schrieb. Er veröffentliche zwei Romane im legendären Malik Verlag: „Ruhe und Ordnung“ und „Denn sie wissen, was sie tun“. Im Jahr 1932 veröffentlichte er mit „Deutschland erwache! Geschichte des Nationalsozialismus“ eine ebenso entlarvende wie hellsichtige Warnung vor Hitler und den Nazis. In Folge dessen wurden seine Bücher nach der Machtergreifung der Nazis bei den Autodafés nicht nur verbrannt, er wurde in den Listen über das „auszumerzende Schriftgut“ als einer von 12 Schriftstellern besonders hervor gehoben, deren Werk nicht nur aus Bibliotheken und Leihbüchereien zu entfernen sind, sondern auch aus dem Buchhandel zu entfernen seien. Mit ihm genannt: Lion Feuchtwanger, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky u.a.

Nach der erfolgreichen Flucht vor den Nazis nach Dänemark, zusammen mit seiner Frau, Bertolt Brecht und Helene Weigel, floh er weiter in die Sowjetunion, wo er sich als Kommunist besonderen Schutz versprach. 1936 wurde er denunziert und nach langer Haft im Zuge der Stalinistischen Säuberungen zu 5 Jahren Straflager in Sibirien verurteilt. In einem Lager in der Nähe von Archangelsk verstarb er (vermutlich) am 24.08.1943.  Die Hintergründe seines Todes – ob er ermordet wurde oder an Auszehrung, Hunger oder Krankheit starb – sind nicht bekannt.

Ernst Ottwalt war lange in Vergessenheit geraten. In seiner Schilderung der deutschen Rechtsmühlen aus dem Jahr 1931 nimmt er kein Blatt vor den Mund. Die Hauptfigur seines Justizromans, der Richter Friedrich Wilhelm Dickmann, arbeitet nach dem Motto „Es gibt keine Gleichheit vor dem Gesetz“. Dickmann habe zwar kein konkretes Vorbild, und „[die] Tatsachen [mögen] dem Leser zuweilen unglaubhaft erscheinen“. Doch seien alle Fälle, Verhandlungen und Urteile aus den Jahren 1920–1931 echt, betonte Ottwalt. Sein avantgardistisches Verweben fiktionaler Passagen mit authentischen Materialien widersprach damals den traditionellen Erzählweisen. Das eigene Jurastudium hatte der Autor übrigens abgebrochen.

Leinen, geprägt. Mit einer zeitgenössischen Rezension von Kurt Tucholsky, farbiges Vorsatzpapier, Lesebändchen, violetter Farbschnitt, Einbandgestaltung von Marion Blomeyer, 368 Seiten.